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Schutzkonzept und Konzeption Was ist der Unterschied?

Beitrag von renata.tukac
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Seit längerer Zeit beschäftigt viele Kita-Leitungen, Träger und Erzieher*innen das Thema „Schutzkonzept“. Kommunen, Fachaufsichten verlangen ein Schutzkonzept von der Einrichtung. Damit gehen viele Unsicherheiten auf Seiten der Einrichtungen einher: „Wir haben doch schon eine Konzeption?“ „Was soll da rein?“ „Was sollen wir noch machen?“ etc.

Auch mich betrifft das Thema „Schutzkonzept“ besonders von zwei Seiten: als Kita-Leitung und als Multiplikatorin für Konzeptionsentwicklung bzw. Fortbildungsreferentin.

Als Fortbildungsreferentin und auch in meiner Zeit als PQB im Modellversuch ist mir das Thema immer wieder begegnet. Das Schutzkonzept beinhaltet nicht nur die Kindeswohlgefährdung mit dem §8a SGB VIII, den jede pädagogische Kraft einer Einrichtung kennt. Es geht weit darüber hinaus und fängt bereits bei „Kleinigkeiten“ an, die einem auf den ersten Blick oft nicht in den Sinn kommen.
Für ein Schutzkonzept ist es meiner Meinung nach wichtig, sich intensiv immer wieder im Team, mit jedem einzelnen Teammitglied mit den verschiedenen Aspekten des Themas auseinanderzusetzen. Als Kita-Leitung habe ich z.B. meinen Kolleg*innen die Aufgabe mitgegeben, was für sie zum Thema „Schutzkonzept“ alles dazugehört. Damit habe ich erfahren, wer was mit dem Begriff in Verbindung bringt. Es kamen verschiedenste Aussagen, die ich z.T. selbst nicht bedacht habe. Und wir sind immer noch am Weiterentwickeln.

Für mich ist ein ganzheitlicher Blick beim Thema „Schutzkonzept“ wichtig, angefangen bei den rechtlichen Grundlagen, über die pädagogischen (Querschnitts-)Themen wie Partizipation, Prävention – und hier auch Sexualpädagogik –, hin zur Teamkultur, Zusammenarbeit mit Eltern und Kooperationen. Die „Basis“ bildet dabei, dass das Schutzkonzept zum jeweiligen Team passt: Wie bei der Konzeption lebt das Schutzkonzept von den Personen, die danach arbeiten, ihre Arbeit damit reflektieren. Da ich selbst – besonders bei den Kindern – gerne ganzheitlich vorgehe, schwingt bei „meinem“ Schutzkonzept dies mit hinein: So setzen wir uns bereits mit den Themen auseinander, was Grenzen sind, was eine Grenzverletzung darstellt und wie wir damit im Alltag umgehen.
Erst ganz am Ende unseres Schutzkonzeptes geht es darum, wie mit kindeswohlgefährdendem Verhalten – egal ob es vom häuslichen Umfeld oder vonseiten der Einrichtung aus passiert – umgegangen wird.

Die Frage, die ich am häufigsten höre, ist: „Das steht doch schon alles in der Konzeption! Wieso braucht es das noch mal?“
Für mich als Kita-Leitung war klar, dass einige Punkte, wie z.B. Partizipation, Sexualpädagogik, definitiv in der Konzeption zu finden sind und dort auch unbedingt hingehören. Sie sind aber genauso Bestandteil des Schutzkonzepts! Und das Schutzkonzept gehört für mich NICHT in die Konzeption. Es ist ein eigner „Leitfaden“, eine Orientierungshilfe, besonders fürs Team, sich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen. Es bietet neuen Mitarbeiter*innen und Praktikant*innen ein eigenes Konzept, wie mit allen zum Thema gehörenden Punkten in der Einrichtung umgegangen wird, welche Schwerpunkte wichtig sind. Im Gegensatz dazu ist die Konzeption, in der die gesamte pädagogische Arbeit dargestellt ist, auch ein Mittel der Öffentlichkeitsarbeit, Informationsgrundlage und Entscheidungshilfe für Eltern (Soll unser Kind in diese Einrichtung? etc.).

Und genauso wie die Konzeption wird das Schutzkonzept mit den Teammitgliedern und nach Möglichkeit auch mit den Eltern weiterentwickelt. Denn selbst jede*r neue Praktikant*in bringt neue Aspekte, Erfahrungswerte mit, die sowohl beim Schutzkonzept, wie auch bei der Konzeption einfließen können. Meine Erfahrung zeigt auch, dass mit jedem neuen Teammitglied, genauso wie mit jedem neuen Kind neue Weiterentwicklungsmöglichkeiten für alle angeregt werden.

Wichtig beim Schutzkonzept: Nicht zu sehr verkopfen, gemeinsam mit dem Team (er-)arbeiten und die Kinder immer im Blick behalten. Sehen Sie das Schutzkonzept als zusätzlichen Gewinn für Ihre Arbeit mit den Kindern und auch als Unterstützung und Dokumentation Ihrer Arbeit. Mit dem Schutzkonzept kann nochmal ein bestimmter Aspekt vertiefend dargestellt werden und bietet neuen Mitarbeiter*innen einen wichtigen und kurzen Überblick für die pädagogische Arbeit.

Wenn Sie Unterstützung bei der Erstellung des Schutzkonzeptes benötigen, können Sie sich gerne an mich wenden (Kontakt). Ich begleite Sie und Ihr Team gerne dabei :).

Ihre Renata Tukac